Liebe Besucherin, lieber Besucher,
wir sind ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern der Leipziger Stadtteile Reudnitz, Stötteritz und Anger-Crottendorf. Anstoß für unsere Initiative war eine Serie von Neonazi-Angriffen auf ein studentisches Wohnhaus im Winter 2007/2008. Die Hauswände wurden mit Hakenkreuzen beschmiert, Balkone und Fenster mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Höhepunkt war der Überfall auf eine Wohnung im Erdgeschoss im Januar 2008. Vermummte Neonazis versuchten die Wohnungstür einzutreten; als ihnen das nicht gelang, warfen sie Feuerwerkskörper durch den Briefschlitz. Einige der Hausbewohner zogen daraufhin aus Reudnitz weg - was blieb, war der Wunsch diese Zustände zu ändern.
In den kommenden Wochen und Monaten trafen sich im Stadtteil viele Bürger, die Gewalt und Ausgrenzung nicht mehr schweigend hinnehmen wollten. Geeint hat uns die Vision eines weltoffenen, bunten und kreativen Stadtteils. Eines Leipziger Ostens, in dem Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlicher Glaubensrichtungen oder sexueller Orientierung miteinander und ohne Angst leben können. Verbunden hat uns auch die konsequente Ablehnung eines völkisch-nationalistischen Weltbildes und rassistischen Gedankenguts. Aus diesem Kreis von Menschen hat sich die Bürgerinitiative "Buntes Reudnitz" gegründet. Unsere gemeinsamen Überzeugungen haben wir in einer Grundsatzerklärung formuliert.
Wir sind der Überzeugung, dass erfolgreiche Präventions- und Informationsarbeit gegen neonazistische Gewalt nur durch ein breites Bündnis von StadtteilbewohnerInnen und lokalen Institutionen und Vereinen getragen werden kann. Wir wollen vernetzen, informieren und lokale Akteure in ihrer Arbeit unterstützen. Dass die Menschen, die hier wohnen, ihren Stadtteil aktiv mitgestalten, ist uns ebenso wichtig, wie Aufklärungsarbeit über Neonazismus. Den öffentlichen Raum können wir nicht Rassisten und Schlägern überlassen.
Die Bürgeriniative ist überparteilich und gehört keiner übergeordneten Organisation an. Unter uns sind Berufstätige, Arbeitslose, junge Leute, die noch studieren oder in Ausbildung sind, RentnerInnen und Familien mit Kinder. So sind verschiedenste Charaktere, Ideen und Lebenseinstellungen an der Entwicklung unserer Initiative beteiligt. Im Moment sind wir "jünger" als der Altersdurchschnitt unseres Stadtteils. Wir hoffen aber noch etwas zu "altern".
Die Bürgerinitiative ist nicht nur offen für alle, die unserer Anliegen teilen, sondern auch angewiesen auf engagierte BürgerInnen. Wir treffen uns alle zwei Wochen. Die Treffen sind offen und jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen. Zwischen den Treffen arbeiten wir in kleinen, wechselnden Arbeitsgruppen. Diese Struktur ermöglicht es uns, dass jeder und jede sich bei einzelnen Projekten, auch zeitlich begrenzt, einklinken kann.